((slowsmoking.ch))
Im Schnellzug durch die Geschichte des Rauchens
Spanier
probieren gleich mal aus, Franzosen glauben an den Weihnachtsmann und
die Holländer checken es auch ziemlich schnell. Den Anfang machen
aber
die Inkas.
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Vielen
galt der Tabak als potentes Heilmittel. Tabakblätter wurden
aufbreitet,
geraucht und es wurden sogar Tabakbrühen gekocht. Dies alles
sollte so
gegen ziemlich alles helfen: gegen Würmer, Krätze,
Schwellungen des
Zahnfleisches, Kopfschmerzen und Hühneraugen, gegen Kurzatmigkeit,
Husten und Wassersucht, ja sogar gegen die Pest. |
Den Göttern nahe
Mindestens
seit 500 vor Christi Geburt waren unter den eingeborenen Völkern
Amerikas Anbau und Konsum der Tabakpflanze verbreitet. Je nach Region
und Zeit variierten die Konsumformen. Beispielsweise wurden die
Tabakblätter gekaut, ähnlich wie Cocablätter. Bei
einzelnen
südamerikanischen Stämmen war auch das Schnupfen durchaus
üblich. Die
Mayas und auch die Indianer Nordamerikas rauchten den Tabak und nahmen
so Kontakt zu den Göttern auf und hielten Zwiesprache mit ihnen.
Friede, Freude, Eierkuchen
Tabak
spielte eine wichtige Rolle bei magischen Zeremonien und Riten, so bei
Regen- oder Kriegszauber und bei Friedensschlusszeremonien. Häufig
setzten auch Schamanen für ihre Zeremonien auf den Rauch des
Tabaks.
Darüber hinaus wurde Tabak auch als Arzneimittel, z.B. zur
Wunddesinfektion, eingesetzt.
Fremde Sitten aneignen
Den
Entdeckern erschien das Rauchen zunächst sehr fremdartig. Sie
berichteten, wie die Eingeborenen Blätter anzündeten, diese
qualmenden
Blätter in den Mund steckten und "den Rauch tranken". Dies
hinderte die
Spanier nicht, diese Gewohnheit recht schnell zu übernehmen.
Saugen und schlurfen
Fray Bartolomé de Las Casas war der erste Bischof
der neuentdeckten Kolonie. Er schrieb 1527:
"Die Pflanze, deren Rauch die Indianer einziehen, ist wie eine Art
Stutzen oder Fackel in ein trockenes Blatt hineingestopft [...]. Die
Indianer zünden es auf der einen Seite an und saugen oder
schlurfen am
anderen Ende, indem sie den Rauch beim Atmen innerlich einziehen, was
ihren ganzen Körper in gewissem Sinne einschläfert und eine
Art
Trunkenheit hervorruft. Sie behaupten, dass sie dann keine
Müdigkeit
mehr empfänden. Diese "mousquetons", diese Tabaccos, wie sie sie
selbst
nennen, sind auch schon bei den Ansiedlern in Gebrauch. Ich habe
mehrere Spanier auf der Insel Hispaniola gesehen, die sich dieser Dinge
bedienten und, als man sie wegen solch hässlicher Gewohnheit
tadelte,
antworteten, dass es ihnen nunmehr unmöglich sei, diese wieder
abzulegen."
So war Las Casas wohl einer der ersten, der sich über Raucher
beklagte.
Die Seefahrer kommen zurück
Seefahrer,
die von ihre Entdeckungsreisen heimkehrten, brachten Anfang des 16.
Jahrhunderts die Tabakpflanze nach Europa. In Spanien wurde diese neue
Pflanze zunächst als Zierpflanze geschätzt. Doch in
Frankreich sorgte
sie bald für Furore: Am französischen Hof wurde Mitte des 16.
Jahrhunderts gewaltig geschnupft.
Das Nikotin des Nicot
Der
französische Gesandte Jean Nicot brachte 1561 die Tabakpflanze von
Lissabon nach Paris. Dort überzeugte er den französischen Hof
von ihrer
wunderbaren Heilkraft. Die Tabakpflanze wurde nun gegen fast jede Art
von Krankheit eingesetzt.
Würmer, Krätze, Schwellungen
Vielen
galt der Tabak als potentes Heilmittel. Tabakblätter wurden
aufbreitet,
geraucht und es wurden sogar Tabakbrühen gekocht. Dies alles
sollte so
gegen ziemlich alles helfen: gegen Würmer, Krätze,
Schwellungen des
Zahnfleisches, Kopfschmerzen und Hühneraugen, gegen Kurzatmigkeit,
Husten und Wassersucht, ja sogar gegen die Pest.
Euphorie
Als
tatsächlich wirksam erwies sie sich jedoch nur in wenigen
Fällen wie
z.B. der Behandlung parasitärer Hauterkrankungen. Daneben wurde
die
schmerzstillende und leicht euphorisierende Wirkung des Tabaks
medizinisch genutzt. Tabakdosen waren Kostbarkeiten und dienten als
Sammelobjekte und Staatsgeschenke.
Ja, die Holländer: Sauferei des
Nebels
Schnupfen,
Kauen und Heilen – das interessierte die Holländer nun gar nicht.
Ihr
Motto war schlicht und klar: Rauchen. Und bald machten die
Engländer
mit. Das Einatmen von Rauch als Konsumform war für alle
Europäer neu -
einen Begriff dafür gab es nicht. "Rauchtrinken", "Tabaktrinken"
oder
auch "Sauferei des Nebels" - mit derartigen Begriffen behalf man sich.
Unze für Unze
Erst
im Laufe des 17. Jahrhunderts bürgerte sich der Begriff des
Rauchens
allgemein ein. Innerhalb weniger Jahrzehnte - eine für damalige
Verhältnisse kurze Zeitspanne - war das Rauchen in Europa nicht
nur
überall bekannt, sondern sogar weit verbreitet. Tabak war noch
keine
Massenware wie heute, sondern ein äusserst wertvolles Produkt. Die
besten Sorten wurden Unze für Unze in Silber aufgewogen.
Urformen
Im
16. und 17. Jahrhundert wurde hauptsächlich Pfeife geraucht. Zu
Beginn
des 19. Jahrhunderts kam die Zigarre hinzu, weitere fünfzig Jahre
später die Zigarette. Die Urform der Zigarre bestand aus
zusammengerollten kleineren Tabakblättern, die mit einem
grösseren
Tabak- oder Maisblatt umwickelt waren, während die Urform der
Zigarette
aus Schilfröhrchen gefertigt war, in die zerkleinerter Tabak
gestopft
wurde. Pfeifen gab es in vielen verschiedenen Formen. Am bekanntesten
ist die legendäre Friedenspfeife.
Vorboten der Globalisierung
Der
Tabak verbreitete sich unglaublich schnell. Die Entdeckung Amerikas
durch Kolumbus 1492 war gleichzeitig die Entdeckung des Tabaks. Dieser
wurde zunächst nach Europa und Afrika transportiert, dort angebaut
und
konsumiert, und bald darauf gelangte er in den nahen und fernen Osten
sowie nach Australien. Dieses Geschäft war wegen des enormen
Handelswerts des Tabaks sehr lukrativ. Und es war wegen der
weltumspannenden Handelsbeziehungen der Portugiesen und Spanier sehr
einfach. So war schon zu Beginn des 18. Jahrhunderts Tabak in der
ganzen Welt bekannt und der wichtigste Exportartikel Amerikas.
Trotz Verbot: Pfeifen, Kauen, Schnupfen
Oft
ist der Krieg der Vater aller Dinge. So war der Dreissigjährige
Krieg
(1618 -1648) in Deutschland für die Verbreitung des Tabaks sehr
förderlich. Pfeifen-, Kau- und Schnupftabak wurden von den
Soldaten
durchs Land gebracht. Allerdings durften nur Apotheker Tabak verkaufen,
und zwar auch nur dann, wenn Tabak als Medizin verordnet war. Ansonsten
war der Tabakkonsum als "heidnische Sitte" verboten. Ein Verstoss gegen
dieses Verbot wurde aber nicht ernsthaft geahndet. Dafür gab es
einfach
viel zu viele Tabakkonsumenten.
Aufschlitzen
Andere
Länder, andere Sitten. Der türkische Sultan Murad IV., der
von 1610 bis
1640 lebte und sein Amt als Sultan von 1623 bis zu seinem Tod
ausübte,
hatte besondere Methoden, um gegen das Rauchen vorzugehen. Er liess
Tausende seiner rauchenden Untertanen hinrichten. Und im zaristischen
Russland verfügten "Rauchergerichte", dass rückfälligen
Rauchern die
Nase aufgeschlitzt wurde.
So nicht
Verbote
verhinderten die Verbreitung des Tabaks gar nicht: Überall wurde
geraucht und geschnupft. Die Verbote galten nämlich nur für
das Gesinde
und die normalen Menschen. Der Adel war natürlich
ausdrücklich von
diesen Rauchverboten ausgenommen. So ging das offensichtlich gar nicht.
Wie konnte man nun das Tabakverbot aufheben und gleichzeitig etwas
für
die Kasse tun? Durch die Einführung der Tabaksteuer im 18.
Jahrhundert
wurde der Tabakkonsum legalisiert.
Rauchzeichen aus dem Schützengraben
Im
ersten und zweiten Weltkrieg nutzen die Soldaten Zigaretten als
Stimmungsaufheller: Rauchen entspannte, hielt wach und
unterdrückte
sogar Hungergefühle. Ausserdem half das Rauchen, Kontakte
herzustellen.
So kam es, dass fast alle Soldaten rauchten. Obwohl sie alle hungrig
und viele sogar unterernährt waren, tauschten sie Lebensmittel
gegen
Zigaretten. Weltweit vervierfachte sich der Zigarettenkonsum
während
des 2. Weltkriegs.
Der Terry-Report
1964
schreckte der Terry-Report die Weltöffentlichkeit auf. Rauchen
gilt
seither als eine der häufigsten Ursachen für vorzeitige
Invalidität und
Tod. Weltweit sterben jährlich mehr als drei Millionen Menschen an
Krankheiten, deren Entstehung mit dem Rauchen in Verbindung gebracht
wird, mehr als eine Million davon allein in Europa.
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